Die Faszination des Morbiden - Impressionen der Beelitzer Heilstätten

Sonntag, November 06, 2016

"Ist es das was mich lockt? Nicht die Hoffnung sondern die Trauer? War es der morbide Geruch, der ihm anhaftete, der sie zu ihm zog wie Motten zum Licht? Er roch nach allem und nach Nichts. Dem Nichts aus dem sowohl Tod als auch Träume entstehen können. Ihm ging der Geruch von alten Büchern nach, die von vergangenen Zeiten erzählten." © Gunther Bunt, 02.10.2013, Osnabrück

Heute möchte ich euch gerne kurz in die Welt der Beelitzer Heilstätten entführen und euch von meinem kurzen Ausflug in die Stadt erzählen. Schon lange stand der Klinikkomplex der ehemaligen Lungenheilanstalt auf meiner Liste der Orte in Deutschland, die ich unbedingt einmal besichtigen wollte. Im August dieses Jahres war es dann endlich soweit und ich konnte mir einen persönlichen, wenn auch ernüchternden Eindruck der fremdartigen, verfallen Klinkswelt verschaffen. Erbaut wurden die insgesamt 60 Gebäude auf einer Fläche von 20h bereits zur Zeit der Jahrhundertwende zwischen 1898 und 1930, als die Tuberkulose noch eine enorme Bedrohung der Bevölkerung in Deutschland darstellte. Zwischenzeitlich zweckentfremdet als Lazarett, wurden die Heilstätten ab Ende des Zweiten Weltkrieges noch bis 1994 als russisches Militärkrankenhaus genutzt und anschließend ihrem Verfall überlassen. 


Anfahrt

Die Beeltizer Heilstätten befinden sich vor den Toren Berlins und sind sehr gut über die A9 zu erreichen. Nur wenige Minuten Fahrt von der gleichnamigen  Autobahnabfahrt entfernt, findet ihr das kleine Städtchen Beeiltz idyllisch gelegen im Landschaftsschutzgebiet "Nuthetal - Beelitzer Sander". Gleich zu beginn der Stadt findet man rechterhand einen speziell abgegrenzten Parkplatz, welcher den Besuchern der Heilstätten zur Verfügung steht. Unter der Woche ist dieser kostenfrei, am Wochenende werden pauschal 2 € fällig. 




Möglichkeiten zur Entdeckung der Heilstätten

Waren die Beelitzer Heilstätten noch vor einigen Jahren Pilgerort und Abenteuerspielplatz von Hobbyfotografen und Geocachern aus ganz Deutschland, sind die 60 denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen Krankenhauskomplexes mittlerweile nicht mehr frei für die Öffentlichkeit zugänglich. Einen Teil der Anlagen inklusive der Alten Chirurgie kann man kostenfrei zumindest von außen besichtigen. Hohe Zäune halten Schaulustige allerdings strikt davon ab, die zum Teil höchst einsturzgefährdeten Gebäude zu betreten. Ein zweiter Teil des Komplexes ist mittlerweile nur noch gegen Eintritt zu besichtigen. Durch diesen Bereich, der unter anderem das Alpenhaus beinhaltet, führt ein 23 m hoher und 320 m langer Baumkronenpfad, welcher ganz neue Perspektiven zulässt. Mit etwa 10 € ist der Eintritt allerdings kein Schnäppchen. Möchte man einen Blick ins Innere der Gebäude werfen, dann besteht an den Wochenenden die Möglichkeit mehrere Führungen (zwischen 6 und 10 €) extra zu buchen. Unter der Woche ist das Angebot innerhalb der Heilstätten - bis auf den Baumkronenpfad und eine einzige Führung um 14.00 Uhr - sehr stark minimiert. 




Erwartungen

Alles in Allem beginnt man seit 2015 zwar endlich wieder Arbeit in den Komplex zu stecken und die Gebäude zumindest etwas vor dem immer mehr eintretenden Verfall zu schützen, aber andererseits verlieren die Heilstätten so zunehmend ihren Charakter. Ich habe ehrlich gesagt ganz andere Vorstellungen von dem Krankenhauskomplex gehabt und bin blauäugig davon ausgegangen mich frei durch die Gebäude bewegen zu können. Ein direkter Kontakt ist allerdings ohne Führung absolut nicht mehr möglich. Zum Teil sind die Zäune meterweit von den Hausmauern entfernt, sodass man viele der Gebäude nur aus der Ferne betrachten kann. Nachvollziehen kann ich die Notwendigkeit aufgrund des maroden Zustandes der Gebäude allerdings voll und ganz. Trotzdem hätte mein kleines Abenteurerherz gerne einen Blick in die ehemaligen OP Räume und Patientenzimmer geworfen. Erwartet als keine atmosphärisch in den verlassenen Wäldern gelegene Ruine, sondern eine - und das muss man ganz klar sagen - durch und durch touristisch ausgelegte und hermetisch abgeriegelte Anlage, deren Optik und Dimension dennoch überwältigend sind. 


Impressionen



















Kennt ihr die Heilstätten bereits oder habt ihr sie vielleicht sogar schon einmal besucht? 


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7 Kommentare

  1. Ich bin ein Fan von Lost Places und hätte mich sehr gefreut mehr vom inneren des Gebäudes zu sehen. Schade, dass man da nicht so frei herumlaufen darf, aber dennoch hast du tolle Bilder geschossen!

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  2. Ich war schon vor Jahren dorten und fand es einfach nur beeindruckend. Wahnsinnige Atmosphäre, gruslig, romantisch, andächtig und so spannend! Tolle Bilder!

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  3. Davon habe ich schon einmal gehört und ich finde es so toll dort. Ich liebe es ja zu fotografieren aber leider kenne ich solche Orte nur wenig, dabei haben die einen ganz besonderen Zauber. Habe mir deinen Post jetzt mal abgespeichert, vielleicht lässt sich ein Trip dahin doch mal realisieren. Natürlich kann man dort echt tolle Shootings machen. Jedoch muss ich sagen, dass es auch ein bisschen gruselig ist. :D

    Liebst Elisabeth-Amalie von Im Blick zurück entstehen die Dinge

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  4. Nur mal am Rande gehört, aber mein Interesse ist geweckt.
    Wirklich tolle Bilder!

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  5. Wow, ich finde diese verlassenen Orte tatsächlich unheimlich faszinierend, richtig tolle Bilder!

    Liebe Grüße
    Jimena von littlethingcalledlove.de

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